MEINE ATEMGESCHICHTE

Eigentlich begann alles vor rund 30 Jahren.

Mit dem Einstieg ins Berufsleben kam auch dieses ständige Gefühl von „hopp, noch schneller, noch besser, noch mehr“. Irgendwann bemerkte ich eine Enge in der Brust. Nicht dramatisch, aber hartnäckig. Als würde irgendwo ständig etwas leicht dagegenhalten. Als dürfte ich nie ganz frei durchatmen.

Natürlich liess ich das abklären. Mehrfach sogar. Zeitweise war ich überzeugt, Asthma zu haben. Doch die Untersuchungen waren unauffällig. Meine Lunge war gesund, mein Atemvolumen normal und die Ärzte fanden nichts.

Nur mein Körper schien anderer Meinung zu sein.

Also begann ich selbst zu suchen. Yoga, Meditation, Entspannungstechniken, Sport. Vieles davon tat mir gut. Ich lernte meinen Körper besser kennen, bewegte mich bewusster und entwickelte ein feineres Gespür für mich selbst. Trotzdem blieb da immer dieses leise Gefühl, dass etwas Grundlegendes fehlte.

Damals hätte ich nicht sagen können, was genau es war. Heute glaube ich, dass genau dieses Gefühl der Grund war, weshalb ich nie wirklich aufhörte weiterzusuchen. Denn obwohl ich mich intensiv mit Gesundheit beschäftigte, Yoga praktizierte, eine Yogaausbildung absolvierte und mich mit unterschiedlichsten Methoden auseinandersetzte, blieb ein Bereich erstaunlich unbeachtet:

Meine Atmung.
Ironischerweise verstärkten manche Dinge, die ich damals über Atmung gelernt hatte, mein Problem sogar noch. Ich erinnere mich an unzählige Yogastunden auf Reisen.

„Tiiiiiiief einatmen.“

„Fülle die Lunge.“

„Und jetzt alles raus ... schhhhhhh.“

Und die ganze Klasse machte motiviert mit. Die Brustkörbe hoben sich, die Atemzüge wurden grösser und lauter, und ich war überzeugt, dass genau das gesund sein müsse.

Heute weiss ich, dass mehr Atmung nicht automatisch bessere Atmung bedeutet. Und dass genau diese Vorstellung für ein ohnehin gestresstes Nervensystem alles andere als hilfreich sein kann. Damals wusste ich das nicht. Also nahm ich mein Atemmuster überallhin mit. In den Alltag. In den Sport. In die Regeneration. Und sogar in den Schlaf. 

Das Leben ging weiter. Bis zu jenem Tag im November 2025:
Während meiner Arbeit als Buschauffeuse wurde ich Opfer eines Übergriffs. Ein Passagier auf Drogen und Alkohol und einem Messer  versuchte, in meine Fahrerkabine zu gelangen.

Die Situation ging vorbei. Mein Nervensystem jedoch nicht.
Obwohl die Gefahr längst vorüber war, blieb mein Körper in Alarmbereitschaft. Menschenmengen wurden anstrengend. Mein System war ständig wachsam. Gefühlt sass hinter jeder Ecke ein Säbelzahntiger.

Anfangs dachte ich noch, dass ich das schon irgendwie auffangen würde. Schliesslich hatte ich jahrelange Erfahrung mit Yoga, Meditation und Achtsamkeit. Doch irgendwann zog mein System die Notbremse: Blackouts. Daueranspannung. Innere Unruhe. 

Und genau dort begann die tiefere Suche - quasi "next Level". Nicht die Suche nach der nächsten Methode. Nicht die Suche nach noch mehr Wissen. Sondern die Suche nach etwas, das meinem Körper wirklich helfen würde, denn obwohl mir meine Hausärztin eine Psychotherapie zur Verarbeitung verschrieb, war das Dilemma, dass für einen Ersttermin 6 Monate Wartezeit vor mir lag...

Auf Umwegen stiess ich auf das Thema funktionelle Atmung, die Buteyko Methode und schlussendlich auf Patrick McKeown und Oxygen Advantage.

Ehrlich gesagt klang das zunächst weder besonders spektakulär noch besonders sexy. Aber bereits die ersten Veränderungen waren so deutlich spürbar, dass sie mich bis heute beeindrucken. Denn zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, nicht mehr am Dach meines Hauses herumzuschrauben, sondern am Fundament. Plötzlich ergaben Dinge Sinn, die mich über Jahrzehnte begleitet hatten. Der Druck auf der Brust. Das Gefühl, nie ganz genug Luft zu bekommen. Die ständige Anspannung. Dieses diffuse Empfinden, dass trotz all meiner Bemühungen noch etwas Entscheidendes fehlt.

Heute weiss ich:
Meine Lunge war nie das Problem - meine Art zu atmen war es.

Der eigentliche Wendepunkt kam nicht durch noch mehr Intensität, noch mehr Selbstoptimierung oder noch mehr Techniken. Er kam durch etwas viel Einfacheres: eine ruhigere und funktionellere Atmung. Eine Atmung, die meinem Körper wieder Sicherheit vermittelt. Eine Atmung, die meinem Nervensystem zeigt, dass keine Gefahr da ist.

Und manchmal sitze ich heute während meiner Atempraxis da und habe wirklich Tränen in den Augen oder bekomme wie aus dem Nichts Hühnerhaut. Nicht weil etwas Spektakuläres passiert.

Sondern weil sich etwas zum ersten Mal wirklich stimmig anfühlt. Weil mein Körper langsam versteht, dass er in Sicherheit ist. Und weil ich rückblickend glaube, dass ich all die Jahre nach etwas gesucht habe, ohne genau zu wissen, wonach eigentlich. 

Heute kenne ich die Antwort:
Ich habe nach dem Fundament gesucht.

Und dieses lag die ganze Zeit direkt unter meiner Nase.